Natrium macht nicht durstig, sondern hungrig!

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Macht Salz dick? Natriumhydrogencarbonat (eher bekannt als Natrium oder Backsoda), welches der Mensch hauptsächlich über Kochsalz zu sich nimmt, verstärkt anscheinend nicht das Durstgefühl, wie einst angenommen wurde, macht aber hungrig.

Erdnüsse. Popcorn. Kartoffelchips. All diese Dinge schmecken mit einer guten Portion Salz einfach viel besser. Und Salz macht durstig - davon ging man bisher jedenfalls immer aus.

Neuen wissenschaftlichen Studien zufolge, die Salzkonsum und Trinkgewohnheiten untersuchten, hat Salz allerdings den gegenteiligen Effekt. Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und des Max Delbrück Centrums für molekulare Medizin (MDC) fanden heraus, dass höherer Salzkonsum nicht nur zu geringerer Flüssigkeitsaufnahme führt, sondern auch den Hunger verstärkt.

Es gibt also zwei Gründe weshalb hoher Salzkonsum dick machen kann. Erstens durch die automatische Anpassung unseres Körpers an eine höhere Natriumzufuhr. Das geschieht so: Wenn wir Natrium zu uns nehmen produzieren unsere Nieren mehr Wasser. Das wiederum führt dazu, dass Sie nach einer Portion Chips sogar weniger Durst haben als sonst. Das Salz speichert Wasser in den Blutgefäßen, die dadurch anschwellen und der Blutdruck erhöht sich. Das ist nicht nur schädlich für Ihr Herz, sondern kann auch dick machen. Das gespeicherte Wasser kann aufblähen und zu Gewichtszunahme führen. Zweitens, weil Salz hungrig macht. Wie kann das sein?

Zwei unabhängige Studien, in denen männliche Probanden über einen Zeitraum von jeweils 105 und 205 Tagen an einem simulierten Flug auf den Mars teilnahmen, zeigten, dass diejenigen, die mehr Salz zu sich nahmen mehr Wasser speicherten, aber auch mehr Energie benötigten. Die Kosmonauten erhielten absolut identisches Essen, jedoch wurde der Salzgehalt in ihren Speisen stufenweise erhöht. Jeder Aspekt der Ernährung, Flüssigkeits- und Salzzufuhr der Probanden konnte genau kontrolliert und gemessen werden – präziser können Versuche nicht sein.

Die Wissenschaftler konnten bestätigen, dass Salz kurzfristig das Durstgefühl steigert und zu einem erhöhten Salzgehalt im Urin führt. Allerdings löste es in den Nieren einen Wasserspeicher-Mechanismus aus – das war überraschend. Die Raumfahrer, die mehr Salz zu sich nahmen, klagten während der Mission häufiger über Hunger als diejenigen, die weniger Salz konsumierten. Man fand heraus, dass Harnstoff (auch also Urea bekannt), eine Substanz die in den Muskeln und der Leber produziert wird und Teil des Stickstoffkreislaufs ist, dafür verantwortlich sein könnte. Aufgrund seiner hohen Wasserbindungsfähigkeit sorgt Urea dafür, dass Wasser in unserem Körper bleibt und Salz ausgeschieden wird. Aber welchen Einfluss hat Harnstoff auf unseren Hunger? Ganz einfach: Die Herstellung von Harnstoff verbraucht viel Energie. Der hohe Energieverbrauch macht hungrig. Wer mehr Natrium konsumiert, produziert mehr Harnstoff um das Salz wieder auszuscheiden und verbraucht dabei mehr Energie. Das macht zwar nicht durstig, aber hungrig.

Litten Menschen früher noch häufig an Natriummangel, nehmen wir heutzutage fast alle zu viel Salz zu uns - auch diejenigen, die nicht ständig zum Salzstreuer greifen. 77% des Natriums, das wir konsumieren, versteckt sich nämlich. Fertiggerichte, industriell verarbeitete Lebensmittel und Fast Food enthalten meist viel mehr Natrium als gut für uns ist. Wer meistens selber kocht kann seinen Na-Konsum gut kontrollieren, wer allerdings oft unterwegs isst nimmt automatisch zu viel Salz zu sich.

Früher noch für ein Abfallprodukt gehalten, weiß man heute von der Nützlichkeit des Harnstoffs für die Ausscheidung von Salz und die Speicherung von Wasser. Dieses Wissen sollten Sie allerdings nicht als Entschuldigung nutzen, um noch mehr salzige Pommes zu essen. Wie viel Natrium sollten Sie pro Tag also zu sich nehmen? Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Obergrenze von 2000 Milligramm pro Tag, das entspricht rund 5 Gramm Kochsalz. Studien zufolge wird allerdings in so gut wie allen Industrienationen weit mehr konsumiert. Sie müssen also nicht anfangen zu wiegen und zu zählen. Halten Sie sich stattdessen einfach an folgenden Ratschlag: Reduzieren Sie Ihren Natrium Konsum und damit das Risiko an Herz-Kreislauf Erkrankungen und Übergewicht zu leiden.

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